Mio Kaba - Kapitel 1: Das Fest der Talente
Mios Hufe klackten über den Stein, als er die Wand erklomm. Heute war endlich der Tag, auf den er seit drei Jahren wartete. Mio hatte noch klar vor Augen, wie die Sprungpunkte erst ausdehnten, um dann die Handels- und Reiseflotte für immer mitzunehmen. Mio wollte am Anfang nur herausfinden, was mit den Sprungpunkten passiert ist. Sie waren seit Jahrtausenden unverändert, doch kaum benutzt sein letztes Elternteil sie, implodieren sie. Es brachte ihn immer noch zum Kochen, an seine Hilflosigkeit zu denken. An dem Tag vor drei Jahren hat er sich geschworen, jedes Gesetz des Universums zu brechen, damit er nie wieder so hilflos sei wie an jenem Tag. Und heute würde er der ganzen Welt zeigen, dass er sich nicht aufhalten lässt.
Mio griff in seine Tasche und umklammerte das Ergebnis seiner Arbeit. Er selbst glaubt nicht, wie klein es am Ende doch geworden ist. Er zieht es aus der Tasche und hält es gegen die Sonne. Seine grünen Schlangenaugen begutachteten zum wiederholten Mal, ob alles in Ordnung ist. Dabei weiß Mio, dass selbst eine Bombe seinem Meisterwerk nichts anhaben könnte.
Dabei muss er zwangsläufig an den Grund für seine unüberwindbare Barriere denken. Er hatte sie damals in der Schule entworfen, weil Isa meinte, dass sie den küssen würde, der das beste Schild herstellt. Drei Wochen später hat sie mich ausgelacht, aber am Ende hat die Verteidigungsarmee mir meine Zukunft gesichert. Mein Schild hat sie so überrascht, dass sie fragten, wie viel größer es sein könnte, ohne zu brechen.
Ich erinnere mich noch gut an meine Gedanken damals: Warum sollte die Größe etwas an der Stärke ändern? Dann haben sie mir erklärt, dass Schutzformeln stärker werden, wenn sie sich überlagern, und bei einer großen Fläche das nicht mehr der Fall sei. Ich habe damals ernsthaft gesagt: „Seid ihr dumm? Warum überlagert ihr Formeln und Runen? Macht einfach eine Schicht gut und ihr verbraucht die selbe Menge an Many."
Sie schauten mich für mindestens 30 Sekunden einfach nur mit weit offenem Mund an. Ich war mir sicher, dass einer von beiden jeden Moment ausflippen würde, doch dann sagte der Vertreter des Militärs nur stotternd: „Du meinst, du hast diese Stärke mit nur einer einzigen Schicht an Runen und Formeln erreicht?"
Ich dazu nur: „Natürlich! Ich habe schon am ersten Tag Magie-Tech-Unterricht gemerkt, dass ich alleine weiterkomme, und mich etwas damit beschäftigt. Gab zwar den ein oder anderen Rückschlag", sage ich und greife mit meiner Hand an mein immer noch nur halb gewachsenes rechtes Horn.
Von dem Tag an durfte ich immer wieder mit den Wissenschaftlern der Armee arbeiten. Das war so viel angenehmer als mit meinen Klassenkameraden. Die konnten mir wenigstens etwas besser folgen. Aber am Ende sind alle gleich – auch das Militär hat sich mit meinen Ideen und Entwürfen immer mehr unwohl gefühlt. Und als sie dann meine Entwürfe für das Runen-Gehirn gefunden haben, haben sie mir den Geldhahn sofort zugedreht. Jetzt muss ich hoffen, dass ich heute einen Sponsor finde, der bereit ist, meine Ideen zu unterstützen.
Nach einem nun nicht mehr allzu langen Hufmarsch erreichte er das Fest. Hier und heute würde sich nicht nur sein Leben verändern – nein, Mio würde das Universum, wie es ist, verändern. Mio setzte sich auf eine Bank und schaute sich um. Er sah viele Erfindungen, aber sie alle waren zu einfach. Ein Blick reichte und er hätte sie besser nachbauen können. Wie oft Mio sich für seinen Verstand doch selbst hasste. Wäre er doch auch nur so dumm wie die anderen, dann wäre alles so viel einfacher.
Gerade führt ein etwas älterer Mann seinen Roboter an Mio vorbei, und Mio schaut nicht mal hin, hört nur ein leichtes Surren und denkt sich sofort: 3, 2, 1, Boom.
Die Frontseite des Roboters explodiert in einer Explosion, die Mio sofort als eine Abstoßreaktion zweier weißer Runen erkennt. Wahrscheinlich waren es die üblichen Verdächtigen: Gewichtsverringerung und Schadensverteilung. Die beiden Runen schwingen eigentlich sehr ähnlich, doch wenn Schadensverteilung auf ein Objekt wirken will, das schon von Gewichtsverringerung betroffen ist, wird genau diese so ähnliche magische Schwingung zum Problem – dann macht es nämlich Boom.
Da beide Magiewellen versuchen, das Objekt zu beeinflussen, was nicht schlimm wäre, wenn genügend Unterstützungsrunen dabei sind, doch in den meisten Fällen werden die weggelassen. Ein klarer Fehler von Halbwissen. Die Leute glauben nämlich, dass fast gleiche und gleiche Schwingung dasselbe sei. Aber das ist eben genau das Gefährliche: Bei gleichen Schwingungen werden die Wellen einfach zu einer, doch bei einem leichten Unterschied kommt es zu einer sofortigen Abstoßreaktion beider Runen.
Da wegen der Explosion immer mehr Schaulustige kommen, gehe ich einfach schon mal in die Arena. Mal schauen, was meine Altersklasse denn so zu bieten hat, sagte er mit einem Lächeln und ging los.
30 Minuten später
Mio ist am Verzweifeln. Nicht ein vorgestelltes Projekt war beachtenswert. Wir hatten einen Zeitbeschleuniger für Pflanzen – den kann jeder bauen mit einem elektrischen Hornreiniger und der Standard-Kühleinheit, die in den meisten Höhlen steht. Und das Schlimme ist, sie hat echt teure Teile verwendet, um dasselbe zu erreichen.
Dann hat ein Junge seinen Phasenverschieber vorgestellt und sich beinahe in der Wand wiedergefunden. Dann kam später ein intelligentes Kraftfeld, das nur dort schützt, wo es auch nötig ist, um Many zu sparen. Er sollte vielleicht mal an seiner Schildformel arbeiten, dann müsste er nicht sparen.
Und so wurde ich hinter die Bühne gerufen.
„Bist du auch aufgeregt? Du siehst nämlich sehr entspannt aus. Ist das fake? Bist du wirklich nicht aufgeregt? Ich kann nicht mehr stillsitzen bleiben, bin nämlich die Nächste. Hra, mein Name. Wer bist du?"
Das Erste, was ich hörte, als ich hinter der Bühne ankam, war ein aufgeregtes Mädchen, das laberte ohne Ende. Ich dachte schon, ich komme gar nicht mehr zu Wort, aber dann blieb sie still und schaute mich erwartungsvoll an. Ihr Federnhaar steht ihr wirklich sehr gut.
„Mio, mein Name. Wünsch dir viel Glück da draußen, Hra. Ich bin nur so entspannt, weil ich weiß, was ich kann."
Ich nehme ihre Hand – sie bricht mir meine Hand fast, so fest drückt sie zu. Frauen! Habe vergessen, wie stark die doch sind, dachte ich mir und schüttelte den Schmerz weg.
Hra wurde aufgerufen und fiel fast um. Ich konnte sie unter Einsatz all meiner Kräfte gerade noch auf den Beinen halten. Sie bedankte sich hastig und rannte auf die Bühne.
Ich war wohl der Letzte, denn nach mir kam niemand mehr. Aber das hat der Organisator wahrscheinlich mit Absicht gemacht. Die meisten wichtigen Leute wissen, dass ich trotz meiner jungen 30 schon 10 Jahre als Wissenschafts- und Magie-Tech-Berater bei der Armee Erfahrung habe. Da wollen sie die anderen nicht mit dem Besten am Anfang demoralisieren.
Ich lache in meine immer noch schmerzende Hand. Knochen wie Titan – warum tut es trotzdem so weh?, fragte ich mich.
Und höre dann meinen Namen und will normal auf die Bühne gehen, habe dann aber eine großartige Idee.
Jul Inuo, einer der drei Veranstalter dieses Festes, war mehr als enttäuscht. Kein einziges Talent hatte er heute gesehen. Ja okay, es waren ein paar praktische Sachen dabei, aber nichts, was in ihm wieder seinen eigenen Erfindergeist wecken würde. Er wollte schon gehen, doch dann kommt die Ansage, dass Mio Kaba der letzte Kandidat sei.
War das nicht der Junge, der noch während seiner Schulzeit jeden Barrierenmacher übertroffen hat? Jul war auf einmal doch wieder interessiert, und was er da nun mit seinen eigenen Augen sehen konnte, ließ ihn in die Luft springen und jubeln.
Mitten auf der Bühne öffnete sich eine große gelb-blaue Scheibe, und aus ihr kam Mio Kaba herausgetreten. Und fing sofort mit seiner Rede an:
„Vor drei Jahren haben wir unsere einzigen sicheren Sprungpunkte zu den Vani verloren, doch jetzt brauchen wir nicht mal mehr Schiffe. Ich kann direkt von hier ein Portal bis in die Dimension der Vani öffnen!"
Und als er das sagte, liefen Vani-Händler mit den so lange vermissten Luxusgütern durch das Portal.
„Leider hat mein eigenes Vermögen nur für diesen Prototyp gereicht. Er kann ein Portal nur drei Stunden am Stück aufrechterhalten. Doch ich bin fest davon überzeugt, dass ich heute bewiesen habe, jedes Investment wert zu sein. In nur drei Jahren habe ich die Regeln der Raumzeit gebrochen. Stellt euch nur mal vor, was ich in meinen restlichen 15.000 Jahren erreichen kann, wenn es mir an nichts mangelt."
Jul war schon an seinem Kommunikator, alles abzuklären. Er muss diesen Jungen unterstützen, so gut er kann. In nur drei Jahren hat er etwas perfektioniert, an dem unsere besten Köpfe seit Jahrtausenden arbeiten, und er nennt es einen Prototyp.
Die Menge war nun nur noch am Jubeln und sich freuen. Es ist wahrscheinlich mehr wegen der nun wieder möglichen Handelsrouten mit den Vani als wegen meines Genies, aber ich genieße es trotzdem.
Ende Teil 1
Mio Kaba - Kapitel 2: Der Energiehunger
Ich überprüfte noch mal jeden Strich und jede Rune, nickte dann zufrieden und ging hinter die Barriere in Sicherheit. Ich hatte zwar vollstes Vertrauen, dass ich keine Fehler gemacht habe, aber die letzten 57 Durchläufe wären ohne Barriere wahrscheinlich meine letzten gewesen.
Ich drückte den großen roten Knopf auf der Fernbedienung in meiner Hand und hielt die Luft an, während ich mir die Werte auf den Bildschirmen anschaute. Noch sah alles gut aus – keine schlagartigen Spikes wie beim letzten Mal. Also war es doch die richtige Entscheidung gewesen, lebendes Metall als Kabel zu verwenden. Es hat zwar eine Ewigkeit gedauert, die kleinen Kabel in Position zu bringen, aber es hatte sich ohne Frage gelohnt.
Der erste Alarm war kurz zu hören. Das heißt, wir haben zum ersten Mal die 20-Sekunden-Marke geknackt, und es könnte auch noch mehr werden, dachte ich mir, denn alle Werte waren im grünen Bereich. Ich entschied mich aber trotzdem dagegen, in die Barriere zu treten – sicher ist sicher.
Der zweite Alarm war kurz zu hören. 30 Sekunden und die Reaktion ist immer noch stabil. Ich wollte mich selbst küssen – ich hatte es geschafft! Ein völlig künstlicher Organismus und ich konnte ihn für 30 Sekunden stabil halten.
Doch als ob mich das Schicksal für diesen Gedanken bestrafen wollte, fielen alle Systeme gleichzeitig aus und ich sah, wie die Barriere zusammenfiel und mir den Blick auf eine unkontrolliert wachsende Kugel aus roten Blitzen erlaubte. Ich hatte schon mit dem Leben abgeschlossen, denn ohne Barriere würde diese Explosion mindestens den halben Berg mitnehmen.
Doch mein Notgenerator sprang gerade noch rechtzeitig an und die undurchsichtige Kugel aus Magie schloss sich im selben Moment – und keinen Moment zu früh, denn ich konnte die Explosion sehr gut hören trotz der Isolierungsmaßnahmen, die ich getroffen hatte.
Ich wischte mir mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn und murmelte: „30 Sekunden."
Ich machte mich sofort auf die Suche nach dem Ausfall aller Systeme, aber alles schien okay zu sein – nur die Energie war einfach weg. Ich fragte mich kurz, ob ich vergessen hatte, die Rechnung zu bezahlen, aber erinnerte mich dann daran, dass das ja nicht mal mein Labor ist, sondern das von Herrn Inuo. Wieso ist die Versorgung einfach abgebrochen?
Ich wurde leicht frustriert – ich hatte zum ersten Mal seit Monaten einen Erfolg und dann muss es daran scheitern. Auf dem Weg die Treppen hoch raus aus dem Labor fragte ich mich, wie groß der Schaden am Versorgungsnetz sein muss, wenn es selbst hier zu Ausfällen kommt.
Als ich am ersten Fenster nach der Treppe stehen blieb, wurde mir klar, dass das kein einfacher Schaden ist. Nicht ein Licht leuchtete an den Klippenwänden. Wie viele Leute sind denn bitte betroffen?, fragte ich mich. Und wie passiert so ein großer Blackout aus dem Nichts?
Doch als ich darüber nachdachte, dämmerte mir eine Möglichkeit, über die ich nie hätte zu denken vermögen. Ich rannte wieder ins Labor, legte meine Hand auf das Gerät, das alle Werte aufzeichnet, und startete es manuell. Ich hasste es, direkt mit meinem Körper Magie zu benutzen – das ist viel zu un-intuitiv. Ich ließ mein Many aus der Hand durch die Oberfläche zum Herzen der Maschine laufen und war froh, dass es beim dritten Anlauf funktionierte.
Ich rief die Aufzeichnungen des Energieverbrauchs auf und schlug mir die Hand vor den Mund. Meine 30 Sekunden hatten mehr Energie verbraucht als unsere ganze Siedlung in fünf Jahren – kein Wunder, dass nichts mehr funktioniert.
Ich machte mich sofort an die Arbeit, alle Aufzeichnungen zu fälschen. Zum Glück ist das leichter als ein Notfall-Start. Nach einer Weile sitze ich erschöpft am Boden und bereue es, nicht mehr Training in meine Many-Kontrolle gesteckt zu haben. Ich war an jeder Maschine nach der ersten zum Glück erfolgreicher, aber da ich das absolut nicht kann, habe ich viel zu viel meiner eigenen Energie verbraucht. Es ist ein Wunder, dass ich noch bei Bewusstsein bin, aber es musste gemacht werden – für das Hoppla komme ich nicht mit einer Entschuldigung davon.
Ich lachte leise und schrie dann laut: „Fuck!"
Wenn es nicht mal einen defekten Prototyp für mehr als 30 Sekunden mit Energie versorgen kann, was bringt uns unser Kraftwerk eigentlich? Ich wollte weinen. Endlich hatte ich alle Ressourcen, die ich nur wollte, und dann scheitert es an so etwas Simplem wie Energie. Ich hatte keine Ahnung, wie ich das auf die Schnelle lösen können sollte. Selbst ich brauche bestimmt hundert Jahre, um eine neue Art der Energiegewinnung zu erfinden.
Da kamen sie, die Tränen. Ich versuchte sie zu unterdrücken, doch es ging nicht. Gibt es etwas Traurigeres als einen Geist, der nur von simplen Beschränkungen wie mangelnder Energie aufgehalten wird? Ich hasste die Welt dafür, dass ich zu große Träume hatte.
Nach ein paar Minuten des Selbstmitleids wischte ich mir die Tränen aus dem Gesicht und stand auf, erfüllt von einem Eifer wie lange nicht mehr, und sagte: „400. In 400 Jahren werde ich das schon schaffen."
Ich weiß nicht, wo ich das Selbstvertrauen her habe – das aktuelle Kraftwerk ist schon das Modell, für das zwei Generationen unserer besten Köpfe zusammenarbeiteten, und ich glaube, das in 400 Jahren zu übertreffen. Umso mehr ich darüber nachdachte, desto sicherer wurde ich mir. Ja, sie waren viele, aber viele Köche verderben die Suppe. Ich bin allein und mache Fehler nur ein einziges Mal – das war es mein ganzes Leben, und so wird es auch bleiben.
Zwei Tage Später
Ich saß in meinem Arbeitszimmer am Schreibtisch und zerbrach mir den Kopf, wie ich überhaupt anfangen will. Ich bin ein Genie der Magie-Tech und Runen-Magie – ich habe nur Grundwissen, was Energiegewinnung angeht. Doch da kommt mir eine Idee. Warum ein neues Gebiet anfangen, wenn ich doch einfach erst mal schauen sollte, was ich mit meinem Kopf und Ehrgeiz hinbekomme?
Doch es war leichter gesagt als getan. Wie könnte ich etwas, das nur dank Many überhaupt funktioniert, dazu bringen, Many zu produzieren? Es ist allgemein bekannt, dass Many von Runen als auch Formeln verbraucht wird. Wie soll ich so einen Gewinn erbringen?
Doch in dem Moment erinnerte ich mich an den Roboter, der wegen einer Abstoßreaktion explodierte. Er hatte mit Sicherheit nicht so viel Many in sich geladen, und doch reichte eine kleine Frequenzindifferenz für eine vergleichsweise große Explosion. Wenn ich das bewusst verursache und skaliere, könnte ich eine unglaubliche Menge an Energie erzeugen. Dass ich hier von einer kontinentalgroßen Explosion sprach, war mir egal, denn wenn das nicht geht, habe ich eh keine anderen Optionen, meinem Traum zu erfüllen.
Aber was ist, wenn ich anstelle Runen nehme, die absolut nicht harmonieren? Dann würde das noch mal exponentiell mehr Gewinn erbringen. Ich dachte an einen meiner ersten Schild-Zauber-Versuche, wo ich Regeneration mit Instanthaltung kombinieren wollte. Gott, war ich jung – keine Ahnung, was Magie-Frequenzen waren, und dachte einfach nur, dass es sinnvoll klingt, und schwups lag ich eine Woche im Krankenhaus und unser halber Dachboden ist zusammengefallen. Aber dadurch habe ich Magie-Frequenzen verstanden.
Was passiert, wenn ich mit Absicht genau die Runen wähle, die sich am meisten abstoßen? Ich kannte jede Rune und ihre Wellenmuster – wenn ich wollen würde, könnte ich den Planeten mit einer Abstoßreaktion vernichten, die das Universum so noch nie gesehen hat.
Da ich nun wusste, wo ich die Energie finden würde, stellte sich nur noch die Frage, wie ich eine riesige Bombe versteckt halte, nicht den Planeten hochgehen lasse und am Ende auch wirklich keine Energie verliere dabei. Mein simpler Plan wurde um einiges komplizierter.
Selber Tag, Später Nachmittag
Hra wurde von einem Sturm-Klingeln aus dem Bett geworfen. Sie hatte sich gerade erst hingelegt, und dann klingelt da irgendeiner wie der Sturm. Dem trete ich meine Hufe ins Gesicht, warte nur ab! Sie riss die Tür auf und schrie: „Spinn... Oh hey, was machst du hier?", sagte sie ganz verlegen. Sie hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass der Gewinner des letzten Festivals der Störenfriede ist. Da kann sie noch mal ein Auge zudrücken.
„Ja hi, ich bräuchte mal dringend deine starken Arme. Hättest du vielleicht Zeit?", fragte Mio irgendwie sehr nervös, dachte sich Hra. Wieso ist er hier nervös, aber vor dem Auftritt auf der Bühne nicht? Kann es sein? Wegen mir?
„Natürlich habe ich Zeit! Es ist die Pflicht von uns starken Frauen, euch schlauen, schwachen Männern bei der körperlichen Arbeit zu helfen. So hat meine Mutter meinen Vater auch kennengelernt. Aber natürlich will ich damit nicht andeuten, dass wir einander heiraten werden – also zumindest noch nicht. Wir sind ja beide noch nicht mal 450. Was würden die anderen sagen, wenn wir uns so schnell auf ewig binden? Wir müssen mindestens 300 Jahre daten, sonst wirkt es zu überstürzt. Meine Mutter sagt immer: Gut Ding hat Weile. Ich mag den Spruch nicht – habe immer das Gefühl, deswegen etwas verpasst zu haben. Aber was Heiraten angeht, sehe ich ihn als sinnvoll. Wir haben nicht den Luxus wie andere Völker, nach einer falschen Wahl noch mal einen zweiten Versuch zu bekommen. Was ich gut finde – das lässt einen viel ernsthafter über das Ganze nachdenken. Oder wie siehst du das, Mio?", sprudelte es aus Hra heraus.
Mio, etwas überfordert, sagte nur: „Das stimmt – heiraten sollten wir wirklich erst, wenn wir uns deutlich länger kennen. Das ist ja gerade unser zweites Treffen." Er wirkte etwas sehr verwirrt von dem plötzlichen Gespräch über Hochzeit.
Hra nickte nur zustimmend und war beeindruckt, wie vernünftig der von allen als verrückt betitelte Junge doch sein konnte.
Ende Kapitel 2
Der Weg von Hras Haus ist irgendwie unangenehm. Ist es, weil ich bei einer Fremden geklingelt habe? Nein, das habe ich schon öfter gemacht. Warum fühle ich mich so, als hätte ich mehr sagen müssen? Sie hat doch zufrieden genickt. Ich habe einfach zu lange nicht mehr mit Gleichaltrigen geredet, das muss es sein. Habe wohl doch auch meine Schwächen, aber Probleme mit Gleichaltrigen sind da mit Abstand noch das Beste. So gehen wir im Schweigen, zumindest dachte ich das. Hra fing einfach das Summen an, und das nicht mal gut. Sie kann von Glück reden, dass ich sie brauche.
Nach einem eigentlich kurzen Weg, der Mio mit der Realität klargemacht hat, dass er nie wieder jemanden um Hilfe fragen wird, kommen sie an einer kleinen Höhle in der Seite der Klippe an.
„Ja, da drin ist mir etwas Schweres verrutscht, und nach einer halben Stunde habe ich gemerkt, dass ich es nicht bewegen kann", sage ich und zeige auf die kleine Höhle an der Klippe.
„Und was genau machst du hier an der Klippe?", fragt sie, ist aber schon am Hineinklettern, sodass ich nicht mal antworten kann, bevor sie in der Höhle verschwindet.
Ich bin auch in zwei Sprüngen in der Höhle und sehe, dass Hra den Feldgenerator schon in der Hand hat. Sobald sie mich sieht, fragt sie: „Wo soll das denn hin?"
Ich zeige auf meinen ersten Prototyp im Schildversuch. Es ist einfach nur ein mit Runen und Magie-Tech aufgemotzter Laser, doch dank meiner perfekten Arbeit wurde aus dem Laser in Kombination mit dem Feldgenerator – sollte es ein Schiftfeld erzeugen, also eine Blase, die leicht auf der Achse der Zeit verschoben ist, sodass sich innen und außen nicht beeinflussen können. So ist die Stärke der Explosion egal, da sie in einer leicht anderen Realität auftaucht. Ich muss nur noch wissen, ob es sich von der Theorie direkt in die Praxis umsetzen lässt. Da kommt mir ein Helfer gerade recht.
Ich sah mit angehaltener Luft, wie sie den Feldgenerator nicht sanft absetzt, sondern das letzte Stück fallen lässt. Ein weiteres Mal muss ich mein Genie einfach loben – die Schockabsorber helfen in solchen Momenten natürlich auch. Nur muss ich die Runen wieder etwas nachfüllen. Aber besser, als dass es explodiert.
Hra schaut sich das nun vollständige Konstrukt an und sagt dann: „Da sind aber eine Menge Runen drauf, die ich noch nie gesehen habe. Was genau soll das werden?" Sie ist wirklich interessiert. Sie weiß, dass sie es wahrscheinlich nicht verstehen wird, aber sie will es versuchen und dreht sich zu Mio um.
„Einfach gesagt, es verschiebt einen Teil unserer Realität ein kleines bisschen nach vorgestern, sodass sich ein Raum erzeugen lässt, der keinen Einfluss auf die Außenwelt hat. Ich habe Angst, dass mein nächstes Experiment vielleicht explodiert, daher zur Sicherheit."
Bin ich aus einem mir unerklärlichen Grund einfach mal ehrlich. Ich muss echt müde sein – die letzten Tage nicht zu schlafen macht sich langsam bemerkbar.
Doch zu Mios Überraschung sagt Hra: „Du bist so aufmerksam! Bei dir ist es bestimmt eh unwahrscheinlich, dass es schiefgeht, und dann baust du so was. Heißt das, du kannst das auch als Gefängnis benutzen, aus dem nicht ausgebrochen werden kann?"
Das ist eine Anwendung, die mir nicht eingefallen ist. Welch ein Verbrecher muss außerhalb der Realität festgehalten werden? Aber von ihrem schnellen Verständnis erfreut, sage ich: „Ja, es kann als Gefängnis benutzt werden, aber dann muss es regelmäßig ausgemacht werden, damit der Gefangene nicht erstickt, denn die Luft da drin ist begrenzt. Aber daran könnte ich arbeiten. Wenn ich eine Formel in die Außenseite des Feldes integrieren kann, die nur Luft hindurchlässt, wäre es das perfekte Gefängnis. Das kommt auf die Liste."
Fange ich an, die Idee wirklich zu hinterfragen. Das perfekte Gefängnis – sollte ich der Erschaffer von so etwas sein? Ich dachte immer, ich würde Großes bewirken, aber vielleicht ist ein Gefängnis außerhalb der Realität größer, als es mir während des Plans eingefallen ist. Ich war zu sehr auf das Energieproblem fokussiert und habe gar nicht gemerkt, dass ich etwas komplett Neues aus Resten zusammengesetzt habe, weil mir das der einzige Weg erschien. Ich lache laut.
„Alles gut? Habe ich was Witziges gesagt?", fragt Hra verwirrt.
Ich probiere mich zu kontrollieren und sage dann lächelnd: „Ich war so mit dem Hauptprojekt beschäftigt, dass ich nicht mal gemerkt habe, dass ich etwas komplett Neues für unsere Spezies aus Notwendigkeit erreicht habe. Danke, dass du mir das aufgezeigt hast."
Ich hätte echt meine Augen zu sehr auf das Ende gerichtet und dabei etwas so Erstaunliches kaum beachtet. Dann kommt mir eine Idee: „Willst du es mit mir testen? Ich bin noch nicht dazu gekommen, aber laut Berechnungen sollte es funktionieren."
„Ja, unbedingt!", sagte Hra aufgeregt, beim ersten Test dieser neuen, unbekannten Maschine dabei sein zu können.
Mio ging also zur Maschine, richtete sie gegen die Wand, die von beiden am weitesten entfernt war, und drückte den Start-Knopf.
Als der komplexe Mechanismus erwacht, spürt Mio, dass sich ein kleiner Strom im Many der Welt gebildet hat und seine Maschine war im Mittelpunkt. Weil er jetzt einen Zuschauer hatte, sagte er seine üblichen Gedanken laut mit Erklärungen: „Ich habe die weiße Rune der Verstärkung mit der braunen Rune Absorption in einem mehr oder weniger komplexen Versuch in eine Art Auto-Kollektor für freies Many verwandelt. Du solltest es auch spüren – wie sich alles Many in der Höhle auf einen Schlag anfing zu bewegen", sagte ich zu Hra.
Diese machte die Augen zu und konzentrierte sich, und nach einem kurzen Moment machte sie: „Stimmt, aber es ist sehr schwach. Du musst ein unglaubliches Feingespür haben. Bist bestimmt super im Zaubern."
„Keineswegs. Ich kann freies Many gut spüren und nehme selbst kleinste Magie-Wellen wahr, aber wenn mein eigenes Many meinen Körper verlässt, ist es, als würde ich diese Fähigkeit verlieren. Deswegen liebe ich Runen – sie sind so logisch und verlässlich", sagte Mio. Ihm war es nicht peinlich, dass er keine Zauber beherrschte. Er war ja schon in einer Magie der Beste, also warum eine zweite lernen? Ich werde eh nie kämpfen, also reichen mir die langsamen Runen völlig.
„Das überrascht mich sehr. Normalerweise sind die mit solchem Gespür wie gemacht für das Zaubern. Selbst ich kann einen kleinen Feuerball", sagte sie und streckte ihre Hand von sich weg. Nach ein bisschen Konzentration ihrerseits war dort ein golfballgroßer Ball aus Feuer.
„Tja, ich kann vielleicht keine Feuerbälle werfen, dafür habe ich einen Weg entwickelt, meine eigenen Wurmlöcher zu kontrollieren und das schöne Stück." Wie auf mein Kommando schoss ein Strahl aus Licht – so schwach, dass man sich fragte, ob er echt ist – und landete auf der Wand. Dort bildete sich schnell eine kleine Kugel, und ich ging voller Selbstvertrauen darauf zu. Wie erwartet war sie härter als der Rest der Höhle.
„Willst du auch mal anfassen? Ist von dieser Seite ungefährlich. Auf der anderen würde es dich wahrscheinlich dauerhaft temporal verschieben, aber das kann ich nicht sicher sagen. Muss ich mir mit einer Baumnuss testen", machte ich mir wieder mentale Notizen.
Und reichte Hra meine Hand und führte sie langsam gegen die verschobene Realität. Als sie sie berührte, sagt sie: „Ganz schön kalt."
Ich überlege kurz und komme zu dem Schluss: „Wahrscheinlich, weil das Universum selbst nicht weiß, was es gerade auf der Oberfläche sein soll. Meine war nämlich warm." Während ich das sage, halte ich ihr meine Hand hin, und sie ist immer noch recht warm.
Und bevor ich es selbst begriffen hatte, stand ich mit einem Mädchen in einer Höhle alleine und halte Händchen, und neben uns spielen die Naturgesetze verrückt.
Ende Kapitel 3
Mio Kaba - Kapitel 4: Die erste Waffe
Noch bevor der Moment richtig anfangen konnte, platzte die Realitätsblase, und ich kann aus erster Hand sagen, dass eine gewaltvoll wieder in Position ruckende Realität auch der Umgebung ordentlich einen mitgibt. Ich wurde nämlich ans andere Ende der Höhle geschleudert und kann froh sein, dass meine Spezies sich vor Stürzen nicht fürchten muss. Nur musste ich jetzt kurz warten, bis das Glibberzeugs völlig aus mir sickert. Was mich überrascht, ist, dass Hra sich nicht im Geringsten bewegt hat. Bin ich so schwach?, wollte ich fragen, sah aber dann, dass sie scheinbar eine hohe Affinität für Erdmagie hat, denn ihre Hufe sind in Steinformen festgeschnallt. Kein Wunder, dass sie nicht wie ich weggeflogen ist. Doch sie schien davon diejenige zu sein, die das nicht versteht.
„Alles okay? Ist das dein erstes Mal, aus Reflex zu zaubern?"
Das ist das Einzige, wie ich mir diese Reaktion erklären kann, aber ist sie dafür nicht schon viel zu alt? Aber es kommt, wie es kommt, doch ihre Antwort hätte ich nicht erwartet:
„Ich habe nur 4 % Fire-Attribut. Ich kann kein anderes Element benutzen."
„Okay, das ist ein wissenschaftliches Mysterium, das ich jetzt unbedingt angehen will!"
Sagte ich neugierig, konnte mich aber wegen dem Gel zwischen Haut und Muskeln noch kein Stück bewegen. Also fragte ich von meinem Hintern auf dem Boden durch die halbe Höhle:
„Okay, ich werde dich jetzt versuchen, durch eine klassische Erdatmung zu leiten. Da wir gerade beide nicht in der Lage sind, uns zu bewegen, beruhigt es vielleicht deine Nerven."
„Okay, was soll ich machen?"
„Mach die Augen zu, dann atme ein und wieder aus. Dabei bewegst du dein inneres Many in deine Hufe und stellst dir vor, wie der Boden deiner Atmung folgt."
Eine Zeit lang passierte nichts, doch dann konnte ich klar sehen, wie sie beim Einatmen ein Stück in den Boden sinkt und beim Ausatmen wieder hinaus. Das ist echt erstaunlich zu sehen. Mir ist das nie gelungen, und ich habe angeblich 76 % Erdattribut. Doch was nützt das mir, der nicht einen Ball außerhalb seines Körpers formen kann? Aber es ist schön, mal zu sehen, wie es eigentlich aussehen sollte. Sie scheint nun auch die Erde mehr zu spüren, denn sie sank immer tiefer und immer höher. Als sie wieder frei war, ist mein Gel auch endlich ausgetreten, und ich wollte gerade versuchen, den Feldprojektor zu tragen, aber Hra war da schneller als ich und sagte nur: „Danke."
Als wir vor meiner bescheidenen Höhle standen, wollte sie mir den Generator nicht geben. Sie sagte nur: „Du bist ein Mann, ich sollte das tragen. Also mach einfach die Tür auf und zeig, wo die Stelle ist, wo er stehen soll, und ich bin wieder weg."
Ich war zu müde, um mich noch dagegen zu wehren, also machte ich auf, zeigte auf die Stelle, sie stellte ihn diesmal besonders vorsichtig ab und sagte kurz noch „Auf Wiedersehen" und ging dann sofort wieder. Ich verstand's nicht, war aber auch zu kaputt, um das zu bedenken. Ich ging noch die Reste des Gels abwaschen und machte mich dann ins Bett.
13 Stunden Später
Ich bin seit zwei Stunden wach und habe es noch immer nicht geschafft, alle Runen wieder aufzuladen. Und ich will nicht so viel verbrauchen, dass es gefährlich wird. Nicht mal vier Minuten hat der Versuch mit den Absorptions-Runen rausgeholt, aber es hat gereicht, um zu sagen, dass der Feldgenerator funktioniert. Also ist die Größe der Explosion nun völlig egal. Doch wie wandle ich eine Abstoßreaktion in verwendbare Energie um? Ist das wirklich erst etwas, an das ich jetzt denke? Mein Gott, bin ich ein bisschen dankbar für Hra, dass sie mir die Augen geöffnet hat. Auch das größte Genie kann sich in eine Gasse verirren. Vielleicht sollte ich wirklich eine Pause im Projekt Neues Leben machen – komme ich gerade eh nicht weiter. Und das stört mich unglaublich. Irgendetwas anderes, das mich fordern könnte, dachte ich mir und schaute durch meine Höhle, bis ich einen schon längst vergessenen Prototyp wiedergefunden habe. Ich musste schmunzeln – mein Versuch, eine simple Schneemaschine zu bauen. Vielleicht ist das gerade genau das, was ich brauche: einfach etwas, an dem ich verzweifeln kann. Ich setzte mich also in die Werkstatt und fing an, alles neu zu überdenken. Und dann kommen mir schlagartig ein paar Verbesserungsideen und dann noch ein paar mehr. Ich nahm sogar andere Prototypen auseinander, um jede verrückte Idee, die ich nur hatte, auch zu ermöglichen. Als ich nichts mehr sehen konnte, das Verbesserung braucht, merkte ich erst, dass ich aus meiner kaputten Schneemaschine etwas gemacht habe, das wie eine Waffe aussieht. Und ich merkte, dass sie nicht nur aussah wie eine Waffe – sondern ich gerade eine selbstgebaute Waffe hatte. Ich war davon überzeugt, dass sie nur so aussah, aber es ist komisch. Ich war so vertieft in die einzelnen, kleinen Veränderungen, dass ich das große Bild schon wieder nicht gesehen habe. Aber ich glaube kaum, dass ich einen Handschuh mit großem Rohr am anderen Ende irgendeine Art von Energiequelle gepackt habe. Ich war mir selbst so sicher, dass ich einfach den Auslöser aus Spaß betätigte. Ein ähnliches Licht, wie der Feldprojektor erzeugt hat, schoss aus der großen Öffnung am Ende meines Arms heraus, und ich sah mit aufgerissenen Augen, wie es in die Wand flog. Aber anstelle, irgendwie langsamer zu werden, war es, als würde der Teil der Wand, von dem der Schuss getroffen wird, einfach verschwinden. Ich fing an zu denken: Lebt in diese Richtung jemand? Und atmete erleichtert aus, als ich merkte, dass ich in die dicke, unbewohnte Wand geschossen hatte. Aber was habe ich da für eine Waffe gebaut? Ich gebe ja zu, dass ich mit meinem Kopf bei den weiteren Möglichkeiten der Realitätsverschiebung war. Von Waffen war ich noch weit entfernt, doch während ich an Planetenschutz und Unwetterdefense gedacht hatte, hatte mein Körper eine Waffe auf dem von mir entdeckten Prinzip gebaut – und sie funktioniert. Ich fing an, die Waffe sofort auseinanderzubauen, um zu verstehen, was ich da eigentlich gemacht habe. Und als ich alle Einzelteile vor mir hatte, muss ich stolz kichern.
„Sag mir mal einer! Hunderte Spulen übersät, unterschiedlichen kleinen schwarzen und braunen Runen in Kombination mit dem Kauz aus meiner Kammer – hat eine Seelen löschende Waffe ergeben!"
Ich schaute mir die Runen an und wurde bleich. Zum Glück habe ich nicht noch ein zweites Mal geschossen. Es muss reines Glück gewesen sein, dass mir beim ersten Mal nichts passiert ist, denn das, was ich da als Bauteil benutzt habe, war mein erster Test für Kettenabstoßreaktionen, den ich verlegt hatte. Das hätte böse enden können.
Aber eine Sache erklärt das nicht: Wie ist das realitätsüberlagernde Feld bei dem Haufen Schrott überhaupt entstanden? Und dann sah ich es – eine schwarze Rune ganz am hinteren Ende meiner ersten Waffe war das Zeichen, das ich nicht mal an guten Tagen hinbekommen habe. Und hier war es in Gedanken perfekt platziert, und es hat funktioniert. Ich weiß, warum meine Hand nicht explodiert ist: weil ich genau das wollte. Deswegen habe ich die Rune des Betruges benutzt und habe durch das komplette Benutzen einer Rune des Betruges aus einem absoluten Fehlschlag einen Erfolg gemacht. Ich wusste nicht, ob ich Respekt oder Angst vor meinem unterbewussten Genie haben sollte. Und ich habe eine Waffe. Ich habe mich nie daran gedacht, meine Erfindungen in ein Leben zu richten. Als ich das dachte, merkte ich, dass es nicht mehr stimmte: gestern war ich begeistert wie ein Kind bei dem Gedanken, ein perfektes Gefängnis zu bauen. Hat das was in mir geweckt? Das nächste war eine unglaubliche Waffe. Ich konnte gerade nur noch daran denken, dass meine erste Waffe wahrscheinlich die beste auf dem Planeten ist. Und dann war die Idee fest in meinem Kopf:
„Was könnte ich erschaffen, wenn ich mich voll reinhänge?"
Ende Kapitel 4
Ich bin am Verzweifeln. Warum ist die Entscheidung, was ich bauen will, schwerer als dass ich es bauen will?, dachte ich mir. Es gibt einfach so viele Optionen, aber die meisten davon kann ich selbst nicht benutzen. Und was bringt es mir, die beste Waffe des Planeten zu bauen, wenn ich sie nicht benutzen kann?
„Natürlich bin ich das Ganze falsch angegangen. Ich habe gedacht, welche Waffe wäre cool – aber das ist falsch. Ich muss meine eigene, persönliche Waffe entwickeln. Das ist es! Ich kann weder zaubern noch bin ich körperlich stark, also brauche ich eine Waffe, die mich automatisch verteidigt. Okay, ein rudimentäres Bewusstsein kann ich von Herrn Inuo bekommen, das werde ich dann verbessern müssen, sonst ist es nicht das, was ich brauche. Ich habe weder gute Reflexe noch kann ich mich irgendeiner Art von Angriff aushalten. Aber was ist, wenn ich nie getroffen werde? Was ist, wenn ich ein Schild mit Hilfe des rudimentären Bewusstseins an ein Hochleistungsgehirn anschließe? So kann ich, wenn ich es richtig mache, meine eigene Denkleistung erhöhen und habe ein selbst reagierendes Schild. Aber das ist ja keine Waffe, es wäre nur eine unglaublich coole Rüstung. Aber warte – als ich am Neue-Leben-Projekt das Schild angepasst habe, wurde es ja wirklich fest. Kann ich das nutzen?"
Sage ich noch und machte mich auf den Weg zu Herrn Inuo. Auf dem Weg überlegte ich mir Gründe, warum ich ein rudimentäres Bewusstsein und etwas neue Forschungsunterstützung brauche. Aber dann fiel mir ein: Ich muss ja nicht mal lügen. Ich habe eine noch nie gesehene Maschine aus Müll gebaut und brauche wirklich Geld, um das fertige Produkt zu erschaffen. Was ist da die doppelte Menge an Geld schon für ein Wert? Ich habe mir diesen Spaß verdient. Ich habe mich lange nicht mehr so ernsthaft auf etwas anderes als das New-Life-Projekt gefreut. Ich brauche keine Waffe – es ist eine praktische Selbstverteidigung mit offensiven Optionen. Da ist nichts dabei. Ich bin nun mal in Disziplinen des Kämpfens nichts, deswegen brauche ich meinen Geist auch nicht mit Bedenken belasten. Ich will mich nur verteidigen können, wenn es darauf ankommt. Und irgendwann will ich diesen Planeten ja auch verlassen, dann werde ich das bestimmt nicht bereuen, das schon so früh angefertigt zu haben, weil es dann wie ein Teil meines Körpers wird. Also ist es wichtig, früh an die Gewöhnung anzufangen.
Wie immer, wenn ich komme, nimmt sich Herr Inuo Zeit. Ich fange direkt mit dem Bericht meines Feldgenerators und dem gestrigen Rest an und dass ich wegen begrenzter Mittel einen aus Resten bauen musste, der zwar funktioniert, aber nicht mal vier Minuten hält. Dann rede ich darüber, dass ich so einen Prototyp niemandem zeigen kann – wenn er nach vier Minuten nicht mehr funktioniert, was mache ich dann? Dann bin ich ruiniert.
So redeten wir über meine Arbeit, und er war überraschend unüberrascht, dass ich so schnell etwas komplett Neues nicht nur entworfen, sondern auch aus Resten gebaut und es dann sogar beim ersten Mal zum Klappen gebracht habe. Er sagte, dass ich an mich selbst zu hohe Ansprüche hätte, denn wie er das sieht, die Gesetze der Natur zu brechen ist für vier Minuten immer noch eine erhebliche Leistung. Aber er hat seit der Wurmloch-Technologie keinen Zweifel, dass meine Ansprüche unverständlich sind, weil er immer noch lacht über einen Universal-Teleporter, den man maximal für eine Stunde offen lässt, nach drei Stunden schwächelt.
Aber das macht seine Freude auf das, was ich als fertig sehe, nur noch größer. Er ist überzeugt, dass es wie auch mein Wurmloch-Gerät das Multiversum verändern wird. Es nur noch nicht dazu kam, ist, weil ich keine Lust hatte, das Gerät zu erklären, und die Experten Fragen stehen und sich wundern, was und wie irgendetwas in dem Ding funktioniert.
Nachdem ich also alles bekommen habe, was ich wollte, gehe ich natürlich sofort alles Notwendige für beide Projekte einkaufen und gebe am Ende auch mehr für den Feldgenerator als meine eigene Sicherheit aus. Zufrieden mit mir selbst komme ich in meine Höhle und schaue mir erst mal an, was ich für ein Bewusstsein bekommen habe.
Nach einigen Tests ist es natürlich weit unter dem, was ich brauche, aber das habe ich ja von Anfang an gewusst und mich für meine Sicherheit entschieden, mein eigenes Gehirn als Unterstützung zu benutzen. Ich habe alles, was zu dem Verbindungseingriff zu wissen ist, mindestens zweimal gelesen. Aber ja, sein eigenes Gehirn im wachen Zustand mit etwas zu verbinden ist bestimmt eine einmalige Sache.
Zu meiner eigenen Überraschung konnte ich in meinen Arbeitsmodus wechseln. Sofort wurden meine Gedanken klar und bestrebt – für eine gute Zukunft muss ich das jetzt machen. Und wie erwartet war ich so konzentriert, dass der Schmerz und Angst warten mussten. Es war meine erste Hirnoperation, und als ich mir sicher war, dass alles richtig verlaufen ist, frage ich mich, warum ich keinen Unterschied merke. Und dann brannte mein ganzes Gehirn vor – ich habe doch keine Ahnung, mein Gehirn hat noch nie gebrannt. Es war aber nur Schmerz, kein Schwindel oder Ohnmacht. Keine der erwarteten Symptome zu haben spricht nur für meine ausgezeichnete Arbeit. Und in dem Moment hatte ich das Gefühl, einen LCD-Bildschirm vor mir zu sehen, der gerade fertig ist. Als er verschwand, war ich mir sicher: Ich bin mit einem Computer verbunden.
Der erste Schock war in dem Moment vergessen, als mir all die Möglichkeiten, die ich damit jetzt hatte, aufgezeigt wurden. Denn ich kann mich jetzt mit jeder vernünftigen Schnittstelle verbinden. Aber am meisten mochte ich, dass alle störenden Gedanken und Zweifel weg sind. Ich hatte jetzt eine totale Kontrolle über das, was ich denken will. Ich werde nie wieder abgelenkt werden. Mit jedem weiteren Moment der Klarheit bin ich mir sicher, das Richtige gemacht zu haben.
Da ich jetzt den Rahmen für das Bedienen eines selbst reagierenden Schildes zum Schutz meines Lebens habe – falls es jemals bedroht sein sollte, will ich vorbereitet sein –, ging ich daran, meinen stärksten Schildgenerator zu modifizieren, so dass die Möglichkeiten der Manifestation des Schildes keine Grenzen gesetzt sind. Nach stundenlanger Verbesserung eines Schildes, das ich schon für perfekt gehalten habe, bin ich davon überzeugt, dass es richtig ist, wenn ich von jetzt an nie mit einem Ergebnis zufrieden sein werde.
Das erste Verbinden mit dem Schildkern verlief problemlos. Dank meiner langen Feintuning-Arbeit sind das zusätzliche Bewusstsein und der Schildkern wie eine Einheit. Ich zog mir also nun zum ersten Mal unter all meine Kleider die Halterungen für beide Systeme an. Es fühlt sich anders an, aber ist kaum zu merken – das ist gut. Ich ziehe meine Klamotten wieder an und schaue in den Spiegel, und wie erwartet ist nichts zu sehen.
Ich stellte mich also in die vorbereitete freie Fläche und aktivierte bewusst drei Hexagons über meiner linken Schulter. In dem Moment, wo ich die Idee hatte, waren die kleinen Schilde sofort da. Das funktioniert dank meiner Anpassungen perfekt: Solange ich das Schild innerhalb von drei Zentimetern meines Körpers erstelle, ist es sofort da. Der Schildkern ist ja mit meinem Gehirn verbunden und so kann er Many direkt aus meinem Körper freisetzen. Wenn die Schilde verschwinden, läuft über das Nebenbewusstsein automatisch ein Algorithmus, der das Many noch erwischt, was normalerweise nicht zu erreichen ist. Es ist mir auch nur möglich, weil ich schon alle Berechnungen simuliert habe und mein Verwalter muss nur anhand meiner Erinnerungen das Richtige wählen. So ist mein Verbrauch nahezu null.
Als nächstes kommt der spannende Test, denn hier konnte ich nicht alles vorher durchspielen, da ich keinen Vergleich hatte, wie ich die Schilde steuern muss. Aber nach einer Weile des Probierens konnte ich ein Schild in die Form von etwas mit Spitze bringen und ohne lange zu warten stach ich auf mein Sofa ein. Es ging hinein wie Butter. Ich konnte also Waffen machen, aber das wird Übung brauchen.
Und so legte ich mir einen Plan fürs nächste Jahr zurecht. Ich werde in diesem Jahr nicht an New Life arbeiten, sondern mich auf den Feldgenerator und das Gewöhnen an meine neuen Umstände konzentrieren.
Ende Kapitel 5
Nach dem Entschluss, ein Jahr in das rudimentäre Bewusstsein zu investieren, überkam mich auch eine unglaubliche Müdigkeit.
Ich war noch nie so müde gewesen, ohne davor mehrere Tage am Stück wach gewesen zu sein. Doch jetzt kam eine unglaubliche Müdigkeit aus meinem Inneren.
Deswegen dachte ich nicht mehr weiter nach und ging in mein Bett.
Doch zu meiner Überraschung erwartete mich nicht die Welt des Schlafs, sondern kurz nachdem ich meine Augen geschlossen hatte, erwartete mich etwas Unerwartetes.
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Sub-Geist steht zur Entwicklung bereit!
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Diese Zeile Text taucht vor meinem inneren Auge auf, wo normalerweise der Traum auf mich gewartet hätte. Ich bin auch überrascht, wie klar alles in diesem Nicht-Traum ist. Es fühlt sich so an, als würde ich mit meinem Geist in einem großen Raum stehen, und vor mir schwebt in leuchtenden Buchstaben die Mitteilung. Einen Körper habe ich aber nicht, es ist mehr so, als wäre ich der Raum und nur meine Sicht wurde von etwas willentlich auf die Größe der Schrift gezogen. Noch bevor ich etwas machen kann, verändert sich der Schriftzug
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Entwicklung wird eingeleitet!
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Sub-Geist wurde gebildet.
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Sub-Geist Alpha übernimmt die Kontrolle über das System des Ming
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Ich frage mich, was ein Ming ist?
=== Alpha ===
Ming ist die Bezeichnung für ein künstliches Bewusstsein, das direkt mit einem richtigen Bewusstsein verbunden wurde. Dank dieser Verbindung ist es möglich, Sub-Geister zu erschaffen.
So wie Alpha einer ist.
=== Alpha ===
Damit beginnt die Einstellung des Sub-Geistes. Er bekommt alle nicht wichtigen Gedankengänge, die ich nicht aktiv denke, Alpha rät zwar davon ab, alles Denken nur auf das Bewusste zu beschränken, aber ich weise ihn einfach an, mir Berichte zu schreiben über das, was er für wichtig erachtet, ich aber nicht.
In dem Gespräch stellt sich auch heraus, dass Alpha scheinbar eine Mischung aus meinem Geist und dem künstlichen ist. Deswegen muss ich vieles nicht erst befehlen, damit es übernommen wird, nein, es ist schon Standard.
So vergeht eine Nacht mit den Feineinstellungen von Alpha.
End
Also ich habe schon ein Paar Runen tiefer ausgearbeitet. Wenn das interessiert, der kann gerne mal reinschauen und mir auch gerne Feedback hinterlassen:
👉 Runen-Index