Mios Hufe klackten über den Stein, als er die Wand erklomm. Heute war endlich der Tag, auf den er seit drei Jahren wartete. Mio hatte noch klar vor Augen, wie die Sprungpunkte erst ausdehnten, um dann die Handels- und Reiseflotte für immer mitzunehmen. Mio wollte am Anfang nur herausfinden, was mit den Sprungpunkten passiert ist. Sie waren seit Jahrtausenden unverändert, doch kaum benutzt sein letztes Elternteil sie, implodieren sie. Es brachte ihn immer noch zum Kochen, an seine Hilflosigkeit zu denken. An dem Tag vor drei Jahren hat er sich geschworen, jedes Gesetz des Universums zu brechen, damit er nie wieder so hilflos sei wie an jenem Tag. Und heute würde er der ganzen Welt zeigen, dass er sich nicht aufhalten lässt.
Mio griff in seine Tasche und umklammerte das Ergebnis seiner Arbeit. Er selbst glaubt nicht, wie klein es am Ende doch geworden ist. Er zieht es aus der Tasche und hält es gegen die Sonne. Seine grünen Schlangenaugen begutachteten zum wiederholten Mal, ob alles in Ordnung ist. Dabei weiß Mio, dass selbst eine Bombe seinem Meisterwerk nichts anhaben könnte.
Dabei muss er zwangsläufig an den Grund für seine unüberwindbare Barriere denken. Er hatte sie damals in der Schule entworfen, weil Isa meinte, dass sie den küssen würde, der das beste Schild herstellt. Drei Wochen später hat sie mich ausgelacht, aber am Ende hat die Verteidigungsarmee mir meine Zukunft gesichert. Mein Schild hat sie so überrascht, dass sie fragten, wie viel größer es sein könnte, ohne zu brechen.
Ich erinnere mich noch gut an meine Gedanken damals: Warum sollte die Größe etwas an der Stärke ändern? Dann haben sie mir erklärt, dass Schutzformeln stärker werden, wenn sie sich überlagern, und bei einer großen Fläche das nicht mehr der Fall sei. Ich habe damals ernsthaft gesagt: „Seid ihr dumm? Warum überlagert ihr Formeln und Runen? Macht einfach eine Schicht gut und ihr verbraucht die selbe Menge an Many."
Sie schauten mich für mindestens 30 Sekunden einfach nur mit weit offenem Mund an. Ich war mir sicher, dass einer von beiden jeden Moment ausflippen würde, doch dann sagte der Vertreter des Militärs nur stotternd: „Du meinst, du hast diese Stärke mit nur einer einzigen Schicht an Runen und Formeln erreicht?"
Ich dazu nur: „Natürlich! Ich habe schon am ersten Tag Magie-Tech-Unterricht gemerkt, dass ich alleine weiterkomme, und mich etwas damit beschäftigt. Gab zwar den ein oder anderen Rückschlag", sage ich und greife mit meiner Hand an mein immer noch nur halb gewachsenes rechtes Horn.
Von dem Tag an durfte ich immer wieder mit den Wissenschaftlern der Armee arbeiten. Das war so viel angenehmer als mit meinen Klassenkameraden. Die konnten mir wenigstens etwas besser folgen. Aber am Ende sind alle gleich – auch das Militär hat sich mit meinen Ideen und Entwürfen immer mehr unwohl gefühlt. Und als sie dann meine Entwürfe für das Runen-Gehirn gefunden haben, haben sie mir den Geldhahn sofort zugedreht. Jetzt muss ich hoffen, dass ich heute einen Sponsor finde, der bereit ist, meine Ideen zu unterstützen.
Nach einem nun nicht mehr allzu langen Hufmarsch erreichte er das Fest. Hier und heute würde sich nicht nur sein Leben verändern – nein, Mio würde das Universum, wie es ist, verändern. Mio setzte sich auf eine Bank und schaute sich um. Er sah viele Erfindungen, aber sie alle waren zu einfach. Ein Blick reichte und er hätte sie besser nachbauen können. Wie oft Mio sich für seinen Verstand doch selbst hasste. Wäre er doch auch nur so dumm wie die anderen, dann wäre alles so viel einfacher.
Gerade führt ein etwas älterer Mann seinen Roboter an Mio vorbei, und Mio schaut nicht mal hin, hört nur ein leichtes Surren und denkt sich sofort: 3, 2, 1, Boom.
Die Frontseite des Roboters explodiert in einer Explosion, die Mio sofort als eine Abstoßreaktion zweier weißer Runen erkennt. Wahrscheinlich waren es die üblichen Verdächtigen: Gewichtsverringerung und Schadensverteilung. Die beiden Runen schwingen eigentlich sehr ähnlich, doch wenn Schadensverteilung auf ein Objekt wirken will, das schon von Gewichtsverringerung betroffen ist, wird genau diese so ähnliche magische Schwingung zum Problem – dann macht es nämlich Boom.
Da beide Magiewellen versuchen, das Objekt zu beeinflussen, was nicht schlimm wäre, wenn genügend Unterstützungsrunen dabei sind, doch in den meisten Fällen werden die weggelassen. Ein klarer Fehler von Halbwissen. Die Leute glauben nämlich, dass fast gleiche und gleiche Schwingung dasselbe sei. Aber das ist eben genau das Gefährliche: Bei gleichen Schwingungen werden die Wellen einfach zu einer, doch bei einem leichten Unterschied kommt es zu einer sofortigen Abstoßreaktion beider Runen.
Da wegen der Explosion immer mehr Schaulustige kommen, gehe ich einfach schon mal in die Arena. Mal schauen, was meine Altersklasse denn so zu bieten hat, sagte er mit einem Lächeln und ging los.
30 Minuten später
Mio ist am Verzweifeln. Nicht ein vorgestelltes Projekt war beachtenswert. Wir hatten einen Zeitbeschleuniger für Pflanzen – den kann jeder bauen mit einem elektrischen Hornreiniger und der Standard-Kühleinheit, die in den meisten Höhlen steht. Und das Schlimme ist, sie hat echt teure Teile verwendet, um dasselbe zu erreichen.
Dann hat ein Junge seinen Phasenverschieber vorgestellt und sich beinahe in der Wand wiedergefunden. Dann kam später ein intelligentes Kraftfeld, das nur dort schützt, wo es auch nötig ist, um Many zu sparen. Er sollte vielleicht mal an seiner Schildformel arbeiten, dann müsste er nicht sparen.
Und so wurde ich hinter die Bühne gerufen.
„Bist du auch aufgeregt? Du siehst nämlich sehr entspannt aus. Ist das fake? Bist du wirklich nicht aufgeregt? Ich kann nicht mehr stillsitzen bleiben, bin nämlich die Nächste. Hra, mein Name. Wer bist du?"
Das Erste, was ich hörte, als ich hinter der Bühne ankam, war ein aufgeregtes Mädchen, das laberte ohne Ende. Ich dachte schon, ich komme gar nicht mehr zu Wort, aber dann blieb sie still und schaute mich erwartungsvoll an. Ihr Federnhaar steht ihr wirklich sehr gut.
„Mio, mein Name. Wünsch dir viel Glück da draußen, Hra. Ich bin nur so entspannt, weil ich weiß, was ich kann."
Ich nehme ihre Hand – sie bricht mir meine Hand fast, so fest drückt sie zu. Frauen! Habe vergessen, wie stark die doch sind, dachte ich mir und schüttelte den Schmerz weg.
Hra wurde aufgerufen und fiel fast um. Ich konnte sie unter Einsatz all meiner Kräfte gerade noch auf den Beinen halten. Sie bedankte sich hastig und rannte auf die Bühne.
Ich war wohl der Letzte, denn nach mir kam niemand mehr. Aber das hat der Organisator wahrscheinlich mit Absicht gemacht. Die meisten wichtigen Leute wissen, dass ich trotz meiner jungen 30 schon 10 Jahre als Wissenschafts- und Magie-Tech-Berater bei der Armee Erfahrung habe. Da wollen sie die anderen nicht mit dem Besten am Anfang demoralisieren.
Ich lache in meine immer noch schmerzende Hand. Knochen wie Titan – warum tut es trotzdem so weh?, fragte ich mich.
Und höre dann meinen Namen und will normal auf die Bühne gehen, habe dann aber eine großartige Idee.
Jul Inuo, einer der drei Veranstalter dieses Festes, war mehr als enttäuscht. Kein einziges Talent hatte er heute gesehen. Ja okay, es waren ein paar praktische Sachen dabei, aber nichts, was in ihm wieder seinen eigenen Erfindergeist wecken würde. Er wollte schon gehen, doch dann kommt die Ansage, dass Mio Kaba der letzte Kandidat sei.
War das nicht der Junge, der noch während seiner Schulzeit jeden Barrierenmacher übertroffen hat? Jul war auf einmal doch wieder interessiert, und was er da nun mit seinen eigenen Augen sehen konnte, ließ ihn in die Luft springen und jubeln.
Mitten auf der Bühne öffnete sich eine große gelb-blaue Scheibe, und aus ihr kam Mio Kaba herausgetreten. Und fing sofort mit seiner Rede an:
„Vor drei Jahren haben wir unsere einzigen sicheren Sprungpunkte zu den Vani verloren, doch jetzt brauchen wir nicht mal mehr Schiffe. Ich kann direkt von hier ein Portal bis in die Dimension der Vani öffnen!"
Und als er das sagte, liefen Vani-Händler mit den so lange vermissten Luxusgütern durch das Portal.
„Leider hat mein eigenes Vermögen nur für diesen Prototyp gereicht. Er kann ein Portal nur drei Stunden am Stück aufrechterhalten. Doch ich bin fest davon überzeugt, dass ich heute bewiesen habe, jedes Investment wert zu sein. In nur drei Jahren habe ich die Regeln der Raumzeit gebrochen. Stellt euch nur mal vor, was ich in meinen restlichen 15.000 Jahren erreichen kann, wenn es mir an nichts mangelt."
Jul war schon an seinem Kommunikator, alles abzuklären. Er muss diesen Jungen unterstützen, so gut er kann. In nur drei Jahren hat er etwas perfektioniert, an dem unsere besten Köpfe seit Jahrtausenden arbeiten, und er nennt es einen Prototyp.
Die Menge war nun nur noch am Jubeln und sich freuen. Es ist wahrscheinlich mehr wegen der nun wieder möglichen Handelsrouten mit den Vani als wegen meines Genies, aber ich genieße es trotzdem.
Ende Teil 1